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Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.

Laß warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Dietrich Bonhoeffer (1944) 1945/1951

Zu den bekanntesten Versen deutschsprachiger religiöser Lyrik des 20. Jahrhunderts gehört Dietrich Bonhoeffers Gedicht "Von guten Mächten".
Für die Komposition wurden nur die beiden letzten Verse des vor genannten Gedichtes in geänderter Reihenfolge mit einem abschließenden 'Amen' gewählt Dazu wurden zwei Jesusworte aus den Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums gestellt, Worte des Grundvertrauens zu Gott gegen alle Angst und Ungewißheit
So ist die Motette nicht speziell der Zeit der Jahreswende verpflichtet, sondern spricht die Glaubensgewißheit, ' von guten Mächten an jedem neuen Tag geborgen' zu sein, grundsätzlich aus. Sie kann somit jederzeit gesungen werden.

Die Musik ist schlicht gehalten im Grundgefühl der Wärme und Geborgenheit.

Die Motette, 1996 geschrieben, gibt es in zwei Versionen: als vierstimmigen Satz für gemischten Chor (JEG 9707) und als Solomotette mit Orgelbegleitung (JES 97071). Der sich anschließende Choralsatz (ad lib. in C-Dur) mit vereinfachter Melodie gehört nicht zur Motette und kann mit oder ohne Begleitung auf alle Strophen des Bonhoeffer- Textes (EG Nr. 65) gesungen werden.
Die Komposition ist den Schwestern des Diakonissen-Mutterhauses "Neuwandsberg" in Elbingerode gewidmet. Dort wurde sie auch erstmals gesungen.

Manfred Spiller