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Johannes Weyrauch (1897 - 1977) studierte von 1919 bis 1922 am Leipziger Konservatorium bei Sigfrid Karg-Elert und Stephan Krehl Komposition und Klavier. Seine ersten Werke, Liederzyklen, Motetten, Streichquartette und Klavierstücke, stehen noch merklich im Banne nachromantischer Expressivität. Aus dieser Zeit stammt die zum 100. Geburtstag im JUBAL MusikVERLAG als Nachdruck aufgelegten "4 Klavierstücke" (WWV 8), die 1922 entstanden sind. Weyrauch hat sie seiner späteren Gattin, Luise Winter, gewidmet.

Als Alfred Heuß diese Stücke 1923 in der 'Zeitschrift für Musik' (Beilage 41, Heft 15 / 16) erstmals veröffentlichte und zur Diskussion stellte, entzündete sich an ihnen eine lebhafte Debatte über das 'Wesen der neuen Musik'.

Nach der Berliner Erstaufführung, 1924, durch den Leipziger Pianisten Anton Rohden, schrieb Adolf Diesterweg in der 'Allgemeinen Musikzeitung': "Werder Zustimmung noch Ablehnung konnte die Musik finden. Selbst die Avantgardisten unter den Zuhörern, die jedes moderne Werk, gleich welcher Qualität feiern und bejubeln, die jedes mit herkömmlichen Mitteln gestaltete Werk vernichtender Kritik aussetzten, hüllten sich in absolutes Schweigen." Diesterweg selbst kann mit der Ausdrucksskala dieser Stücke nichts anfangen, denn "die Stücke sprechen eine seltsame, abwegige Sprache", zwar sind sie "in ihrer Art zielbewußt geformt, sie haben Rhythmus und klar erkennbare Linie", doch empfindet der Kritiker sie als "bis zur absoluten Häßlichkeit, konsequent verzerrter Zusammenklänge, deren Empfindungsbasis unkontrollierbar ist." Sichtlich atmete Diesterweg gegen Ende des 4. Stückes auf, "im 'Maestoso' macht ein kurzer, unserem harmonischen Empfinden entsprechender Moment uns stutzig. Wie kommt das 'harmonische Fossil' da hinein ?"

Aphorismenhaft knapp in ihrer Diktion bringen die Stücke menschliche Leidenschaften zum Ausdruck in einem hochgesteigerten, als beherrschenden Affekt, im Streben nach Subjektivismus. Die "konsequent verzerrten Zusammenklänge" haben ihren Ursprung in den erweiterten Karg-Elert'schen Funktionen, die der Schüler übernommen hat. In der Farbigkeit der Gestaltung kommen die Stücke von Skrjabin her - doch nur in der Anwendung der Mittel - nicht in geistiger Wahlverwandtschaft beider Musiker. Skrjabin war Mystiker, Weyrauch dagegen Diesseitsmensch, der seinen Blick nach innen richtete und nach außen abstahierte. Diese Verinnerlichung ist das Wesens- und Gestaltungsprinzip, welches ästhetischer Maßstab für Weyrauchs gesamtes Schaffen bleibt.

Siegfried Thiele unterzog die Erstausgabe der 4 Klavierstücke (Zyklisch), op. 8, Steingräber 1923, einer Revision. Dabei wurden Schreibfehler und Unklarheiten korrigiert.

Leipzig, im Februar 1997, zum 100. Geburtstag von Johannes Weyrauch

Wolfgang Orf
-Herausgeber-